MEDICA 2016

Junges und Neues aus den Niederlanden und aus Deutschland

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Quelle: Duitslandnieuws

Erneut hatten die Niederlande eine starke Präsenz auf der weltweit größten Medizintechnikmesse MEDICA. Mit einem Feuerwerk an Aktivitäten stellten unsere Nachbarn ihre neuen Produkte und Lösungen dem internationalen Publikum aus Einkäufern, Distributoren und Partnern vor. Dabei hatten sich die niederländischen Wirtschaftsförderer auch ein neues Format einfallen lassen. Sie luden MEDICA-Teilnehmer und die Presse zu einem Startup-Pitch einer etwas anderen Art ein: Drei junge Unternehmen aus den Niederlanden und drei aus Deutschland präsentierten ihre innovativen Lösungen, die die Gesundheitsversorgung verbessern und stärker patientenorientiert gestalten wollen.

Schon seit Jahren sind die Beziehungen in der Medizintechnik zwischen den beiden Ländern sehr intensiv. Hier wie dort besteht eine lange Tradition auf hohem technologischem Niveau. Und deutsche Medizintechnik-Cluster arbeiten seit Jahren mit niederländischen Unternehmen zusammen, die zur bewährten deutschen Qualität einen kräftigen Schuss Innovationskraft ebenso beitragen wie umfangreiche Erfahrungen in der Lieferkette innovativer Medizintechnik. „Struktur trifft Tatendrang“ – die Mentalitäten passen zueinander.

Symbol für Kooperation: Pitches aus beiden Ländern

Der Gesundheitssektor steht in den Niederlanden und in Deutschland vor den gleichen großen Herausforderungen, so der niederländische Generalkonsul Lansink zum Auftakt des Startup-Pitches: Die Bevölkerung altert, und bei steigender Nachfrage und zugleich schrumpfenden Fachpersonalzahlen sind völlig neue Lösungen gefragt, um die Versorgung zu sichern. Der Austausch über die neuen, oft am digitalen Wandel partizipierenden Ansätze vermeidet das Neu-Erfinden des Rades – und bietet somit für beide Gesundheitssysteme Vorteile.

Diesen Austausch fördern Organisationen auf beiden Seiten. Bei der Veranstaltung in Düsseldorf informierten die Task Force Health Care und Germany Trade and Invest über den Stand und die Potenziale des jeweiligen Gesundheitstechnologie- und Nachfragemarktes. Als Symbol für die enge Zusammenarbeit hatten die Veranstalter zum Startup-Pitch nicht nur junge niederländische, sondern auch deutsche Unternehmen zur Präsentation eingeladen. Somit stellten sechs Newcomer der aus niederländischen und deutschen Experten zusammengesetzten Jury ihre Lösungen vor.

Partner gesucht

Für Produktisierung, Vertrieb und auch beispielsweise klinische Studien suchten diese Startups auf der MEDICA Partner:

  • MyDiagnostick von Applied Biomedical Systems BV ist ein Medizinprodukt, das Arrhythmien wie beispielsweise Vorhofflimmern vom normalen Herzschlag unterscheidet. Das Gerät sieht aus wie ein Stab, hat metallene Elektroden an beiden Enden und kann als mobiles EKG genutzt werden. Mit ihm lassen sich Schlaganfälle sicherer und kosteneffizient verhindern.
  • Corscience GmbH & Co KG, ein Erlanger Medizintechnikunternehmen, hat ein Beatmungsgerät auf Kapnographie-Basis für die Intensivpflege entwickelt, das langzeitstabil und sogar für die Magnetresonanz-Umgebung (MR) geeignet ist.
  • Adjuvo Motion, aus der TU Delft hervorgegangen, bietet einen orthopädischen Therapiehandschuh und Übungen zur Rehabilitation in der Handchirurgie an. Über Sensoren kann der Verlauf der Behandlung gemessen werden, ferner werden die Daten im Handschuhe gespeichert und der Patient braucht nicht ständig zur Physiotherapie fahren.
  • Novuqare BV liefert mit MAPLe ein Elektromyographie-Gerät (EMG), um Inkontinenz oder Beckendysfunktionen wie Steißschmerzen zu behandeln: Ein Messfühler in der Vagina oder im Anus registriert an 24 Stellen die Aktivität der Beckenbodenmuskeln. Dadurch lassen sich genaue Diagnosen erstellen und zielgerichtete Behandlungen durchführen. TOPIC Embedded Systems sind Entwicklungspartner in den Niederlanden.
  • SpinDiag GmbH entwickelte einen effizienten Test, um gefährliche Krankenhausbakterien wie MRSA bei Patienten schnell und in einem Durchlauf zu finden bzw. auszuschließen. Das Ergebnis für 25 getestete Keime liegt in 30 Minuten vor, die klinische Validierung läuft noch.
  • GoClinic ist eine App von MedLango GmbH, die Patienten auf den Krankenhausaufenthalt vorbereitet. Die mobile Lösung stellt wichtige Informationen rund um den Krankenhausaufenthalt bereit, wie Checklisten und individualisierte Broschüren. Durch die API-Schnittstellen lassen sich Patientenakten, Laborwerte oder Termine bequem durch die GoClinic-App abrufen. Entwicklungspartner ist Thieme Compliance, Kliniken zahlen für das Angebot.

Als Gewinner des Pitches wurde nach kurzer Beratung der Jury – bestehend aus Yvonne Glienke, Medical Mountains, Prof. Dr. Ralf Kindervater, BIOPRO Baden-Württemberg GmbH, Sandra Bütow, Germany Trade & Invest, Janneke van Til, PPM Oost, Saskia de Mare, Rijnstate Ziekenhuis, und Frank Smeets, Radboud UMC – das Unternehmen Novuqare aus den Niederlanden prämiert.

Der Pitch war ein voller Erfolg, so der Eindruck in Düsseldorf bei rund 90 Teilnehmern: attraktive marktfähige Ideen, ein gespannt zuhörendes Publikum, das mit fachlichen Fragen die Eindrücke der Kurzvorträge vertiefte, und Gespräche, die zum Ende der Veranstaltung die Vernetzung zwischen den Stakeholdern voranbrachten … und, so die Erwartung, auch die Versorgung der Patienten in der Zukunft unterstützen.

Quelle: Mirjam Bauer


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